Donnerstag, 25. Dezember 2025

Ein etwas anderes Krippenspiel

Ein Bericht von Darstellerin Klara (9 Jahre)

Das hätte ich nicht gedacht, dass an der ersten Probe für das Krippenspiel so viele Kinder kommen und mitspielen wollen. Ich durfte Betty spielen und durch die Geschichte führen. “Hilfe, die Herdmanns kommen”:

Bettys Mutter übernimmt darin das Krippenspiel von Frau Armstrong, die im Krankenhaus liegt. Sie will eigentlich nicht richtig, aber als zur ersten Probe “die schlimmsten Kinder aller Zeiten”, die Herdmanns kommen, packt sie der Ehrgeiz. Und tatsächlich, Eugenia, ein Herdmannskind verwandelt sich in ihrer von Alice geklauten Rolle als Maria von einem auf dem Damenklo rauchenden Mädchen zu einer fürsorglichen Mutter.
Die vielen Proben waren ziemlich chaotisch und die Generalprobe am meisten. Vieles hat nicht funktioniert, die Mikrofone, die Einsätze, wann wir sprechen und wann wir wohin gehen sollen. Aber man sagt ja: “Wenn die Generalprobe schief läuft, wird der Auftritt richtig gut”. So war es auch. Mit ganz ganz viel Geduld und Leidenschaft haben es 46 (?) Kinder geschafft ein tolles Theaterstück aufführen zu können. Ich fand es fantastisch. Nicht nur für Eugenia war das Krippenspiel etwas ganz besonderes, nein, für uns alle war das Krippenspiel etwas ganz besonderes.



Donnerstag, 20. November 2025



Ratzeputz

Über eineinhalb Jahre hat es gedauert, Story und Texte zu schreiben, die Lieder zu komponieren, die Bühnendekoration zu entwerfen und zu malen, neue Kostüme zu schneidern und das Ganze mit einer begeisterungsfähigen Schar von 40 Kindern und Jugendlichen einzuüben. Bei diesem Aufwand fragen manche: Und das alles nur für zwei Aufführungen? – Ja und Nein. Der Weg ist zwar nicht das Ziel, aber bereits die Arbeit an einem großen Projekt begeistert, stiftet Gemeinschaft, setzt kreative Ideen frei und lässt die Spannung steigen. Und wer etwas Besonderes schaffen will, muss Klotzen und darf nicht Kleckern. Und dass „Ratzeputz“ etwas Besonderes war, wird niemand bestreiten, der die Aufführung gesehen und die begeisterte Atmosphäre gespürt hat.


Düster und geheimnisvoll erfüllten bereits am Anfang gitarrengeschwängerte sphärische Klänge die dunkle Kirche, während die Bel-Priester in ihren schwarzen Kutten mit spitzen Kapuzen gemessenen Schrittes durch den Mittelgang auf die Bühne zogen. Dort angekommen, ging es gleich richtig ab. Mit einem Mal schwenkte die Musik, die Priester rissen ihre Kapuzen vom Kopf und die schweren Bühnenvorhänge gaben den Blick auf den in Trockennebel gehüllten Bel preis. Über 4 Meter hoch war das mit großem Aufwand gestaltete Götzenbild, das sich furchteinflößend über dem steinernen Altar erhob und immer wieder dicke Rauschwaden aus seinem Maul ausstieß. Ein echter Hingucker!

Doch die eigentlichen Stars waren die Kinder. Ihre schauspielerischen und gesanglichen Leistungen waren grandios. Beeindruckend mit wieviel Lust sie dabei waren – ob bei der humorvollen Gabenbereitung, bei der Bel mit überdimensionalen Opfergaben versorgt wurde (darunter: „Gummi-Bels von Haribo“, „Bel-Secco“ und „Pommes von Mc Bel“), der von Daniels Freunden verursachten „Mehlschlacht“, der Entdeckung des begehbaren Geheimgangs, der durch die Götzenfigur hindurch direkt in den Partykeller der Priester führte, oder dem Stottergesang der vollgefressenen Priesterschar, die mit tausend Ausflüchten ihre Haut zu retten versuchten. Auch die Slapstick-Einlage der drei Tempelwachen, die jegliche Haltung verloren, als aus dem Hintergrund die fetten Techno-Beats der nächtlichen Priesterorgie erklangen, machten richtig Laune.

Und so bunt und vielfältig wie Schauspiel und Requisite war die Musik: Dachte man bei dem Vorspiel von Stephan Heinz unwillkürlich an Pink Floyd, weckte das humorvolle Loblied der Priester auf die Verdauungsleistungen von Bel, das Jessica Lindenberger komponiert hatte, Assoziationen zu Helene Fischer, während der Protestgesang von Daniel und seinen Freunden gegen die Götzenverehrung aus der Feder von Dr. Henning Scharf mit einer klassischen Dramaturgie und jazzigen Klängen punktete. Abgerundet wurde das musikalische Potpourri mit einem schwungvollen Klezmerstück nebst Violineneinsatz, das als spontane Zugabe auch die Besucherinnen und Besucher zum Klatschen und Mitsingen animierte: Hallelu elohim chajim! (Gelobt sei der lebendige Gott!)

Auch wenn alle Kinder eine namentliche Nennung verdient hätten, dürfen die großen gesanglichen und schauspielerischen Leistungen von Paul Marquet als Daniel und Louisa Peters als König Kyros an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, ebenso die eindrucksvolle Darstellung des Oberpriesters durch Leana Preuschoff.

Darüber hinaus gebührt ein großer Dank den zahlreichen Helferinnen und Helfern, die beim Bühnenauf- und abbau, in der Kostümschneiderei oder beim „100-Stunden-Bühnenbildmalen“ Hand angelegt haben – sowie natürlich dem Musical Team mit den „alten Hasen“ Ute Schick, Ursula Schiele, Bianca Würz, Mirjam Kuenzer, Sandra Gerschtenzweig und Christiane Benke, den Jung-Teamern Kira Schiele, Jumana Würz, Melissa Würz, Niklas Wagner und Sophie Wagner, die immer noch mit vollem Einsatz auf der Bühne stehen, sowie den beiden unermüdlichen Technikern Dirk Kollmar (Ton) und Sebastian Schick (Licht & Effekte), die einmal mehr für das Musical Unmengen an Material aufgefahren haben. Herzlichen Dank auch an Klaus Wagner fürs Fotografieren sowie Robert Gerstner und Julius Peters fürs Filmen.

Und last but not least: Herzlichen Dank an die Musiker Jessica Lindenberger und Dr. Henning Scharf für ihre großartigen Kompositionen sowie Stephan Heinz für die musikalische Unterstützung und das sphärische Eingangsstück.

 P.S.: Auch wenn die Kinder nach der zweite Aufführung noch auf der Bühne lautstark eine weitere Musicalaufführung im nächsten Jahr einforderten (was uns sehr berührt hat), wird es dazu wohl nicht kommen. Das Team braucht eine Verschnaufpause – und das Schreiben von neuen Texten und Komponieren von neuen Lieder braucht seine Zeit. Aber vielleicht klappt´s 2027. Wir bleiben dran!

Mittwoch, 22. Oktober 2025

Schul-AG: Biblische Geschichten als Comic

Dass ich (Dierk Rafflewski) gerne zeichne und ein Faible für Comics habe, ist vermutlich kein Geheimnis. Und dass mir als Pfarrer im Schuldienst die Vermittlung biblischer Geschichten ein Anliegen ist, dürfte wenig überraschen. Von daher lag die Idee, als Pädagogische Angebot im Rahmen der Verlässlichen Grundschule nachmittags einen Kurs im Zeichnen biblischer Comics anzubieten, auf der Hand. Nur peinlich, dass sie mir von Konrektorin Jeanette Werle angetragen werden musste und ich nicht selbst darauf gekommen bin.

Denn wie es scheint, zieht die Idee auch bestens bei den Kindern: Seit Mitte Oktober unterrichte ich mittwochs in der siebten und achten Stunde zwei altersgemischte Gruppen mit 14 und 18 Kindern, die sich für dieses Angebot gemeldet haben. Und obwohl es nach einem vollen Schultag mit 6 Schulstunden und dem Mensa-Mittagessen schwer ist, noch einmal Geduld und Konzentration aufzubringen – andere pflegen hier den Mittagsschlaf –, sind die Kinder mit großer Freude dabei.

In einem ersten Schritt geht es in dem Pädagogischen Angebot darum, Prinzipien des Comic-Zeichnens kennen zu lernen und einzuüben: Wie kann ich mit wenigen Stichen Bewegungen und Gefühle darstellen? Wie kombiniere ich Rahmen, Zeichnung, Textfelder, Sprech- und Gedankenblasen? Wie finde ich meine eigene Comicsprache und entwickle reproduzierbare Figuren mit Wiedererkennungswert?

In weiteren Schritten widmen wir uns dann biblischen Geschichten und überlegen, wie sich diese in einfache humorvoller Comicsprache „übersetzen“ lassen. Ziel dabei ist natürlich nicht, die Geschichten ins Lächerliche zu ziehen, sondern transparent für menschliche Schwächen und Eigenheiten zu machen, so dass der Betrachter im Idealfall über sich selber schmunzelt. Mal sehen wie´s gelingt. Vielleicht findet sich das ein oder andere Comic aus Kinderhand ja demnächst im Scharnier wieder. Wie die Zeichnungen aus der ersten Stunde zeigen, gibt´s hier wohl einige Talente.

D.R.