Über eineinhalb Jahre hat es gedauert, Story
und Texte zu schreiben, die Lieder zu komponieren, die Bühnendekoration zu
entwerfen und zu malen, neue Kostüme zu schneidern und das Ganze mit einer
begeisterungsfähigen Schar von 40 Kindern und Jugendlichen einzuüben. Bei
diesem Aufwand fragen manche: Und das alles nur für zwei Aufführungen? – Ja und
Nein. Der Weg ist zwar nicht das Ziel, aber bereits die Arbeit an einem großen
Projekt begeistert, stiftet Gemeinschaft, setzt kreative Ideen frei und lässt
die Spannung steigen. Und wer etwas Besonderes schaffen will, muss Klotzen und darf
nicht Kleckern. Und dass „Ratzeputz“ etwas Besonderes war, wird niemand
bestreiten, der die Aufführung gesehen und die begeisterte Atmosphäre gespürt
hat.

Düster und geheimnisvoll erfüllten bereits am
Anfang gitarrengeschwängerte sphärische Klänge die dunkle Kirche, während die
Bel-Priester in ihren schwarzen Kutten mit spitzen Kapuzen gemessenen Schrittes
durch den Mittelgang auf die Bühne zogen. Dort angekommen, ging es gleich
richtig ab. Mit einem Mal schwenkte die Musik, die Priester rissen ihre Kapuzen
vom Kopf und die schweren Bühnenvorhänge gaben den Blick auf den in
Trockennebel gehüllten Bel preis. Über 4 Meter hoch war das mit großem Aufwand
gestaltete Götzenbild, das sich furchteinflößend über dem steinernen Altar
erhob und immer wieder dicke Rauschwaden aus seinem Maul ausstieß. Ein echter
Hingucker!
Doch die eigentlichen Stars waren die Kinder.
Ihre schauspielerischen und gesanglichen Leistungen waren grandios.
Beeindruckend mit wieviel Lust sie dabei waren – ob bei der humorvollen
Gabenbereitung, bei der Bel mit überdimensionalen Opfergaben versorgt wurde
(darunter: „Gummi-Bels von Haribo“, „Bel-Secco“ und „Pommes von Mc Bel“), der
von Daniels Freunden verursachten „Mehlschlacht“, der Entdeckung des begehbaren
Geheimgangs, der durch die Götzenfigur hindurch direkt in den Partykeller der
Priester führte, oder dem Stottergesang der vollgefressenen Priesterschar, die
mit tausend Ausflüchten ihre Haut zu retten versuchten. Auch die
Slapstick-Einlage der drei Tempelwachen, die jegliche Haltung verloren, als aus
dem Hintergrund die fetten Techno-Beats der nächtlichen Priesterorgie
erklangen, machten richtig Laune.
Und so bunt und vielfältig wie Schauspiel und
Requisite war die Musik: Dachte man bei dem Vorspiel von Stephan Heinz
unwillkürlich an Pink Floyd, weckte das humorvolle Loblied der Priester auf die
Verdauungsleistungen von Bel, das Jessica Lindenberger komponiert hatte,
Assoziationen zu Helene Fischer, während der Protestgesang von Daniel und
seinen Freunden gegen die Götzenverehrung aus der Feder von Dr. Henning Scharf
mit einer klassischen Dramaturgie und jazzigen Klängen punktete. Abgerundet
wurde das musikalische Potpourri mit einem schwungvollen Klezmerstück nebst
Violineneinsatz, das als spontane Zugabe auch die Besucherinnen und Besucher
zum Klatschen und Mitsingen animierte: Hallelu elohim chajim! (Gelobt sei der
lebendige Gott!)
Auch wenn alle Kinder eine namentliche Nennung
verdient hätten, dürfen die großen gesanglichen und schauspielerischen
Leistungen von Paul Marquet als Daniel und Louisa Peters als König Kyros an
dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, ebenso die eindrucksvolle Darstellung
des Oberpriesters durch Leana Preuschoff.
Darüber hinaus gebührt ein großer Dank den
zahlreichen Helferinnen und Helfern, die beim Bühnenauf- und abbau, in der
Kostümschneiderei oder beim „100-Stunden-Bühnenbildmalen“ Hand angelegt haben –
sowie natürlich dem Musical Team mit den „alten Hasen“ Ute Schick, Ursula
Schiele, Bianca Würz, Mirjam Kuenzer, Sandra Gerschtenzweig und Christiane
Benke, den Jung-Teamern Kira Schiele, Jumana Würz, Melissa Würz, Niklas Wagner
und Sophie Wagner, die immer noch mit vollem Einsatz auf der Bühne stehen,
sowie den beiden unermüdlichen Technikern Dirk Kollmar (Ton) und Sebastian
Schick (Licht & Effekte), die einmal mehr für das Musical Unmengen an
Material aufgefahren haben. Herzlichen Dank auch an Klaus Wagner fürs
Fotografieren sowie Robert Gerstner und Julius Peters fürs Filmen.
Und last but not least: Herzlichen Dank an die
Musiker Jessica Lindenberger und Dr. Henning Scharf für ihre großartigen
Kompositionen sowie Stephan Heinz für die musikalische Unterstützung und das
sphärische Eingangsstück.
P.S.: Auch wenn die Kinder nach der zweite
Aufführung noch auf der Bühne lautstark eine weitere Musicalaufführung im
nächsten Jahr einforderten (was uns sehr berührt hat), wird es dazu wohl nicht
kommen. Das Team braucht eine Verschnaufpause – und das Schreiben von neuen
Texten und Komponieren von neuen Lieder braucht seine Zeit. Aber vielleicht
klappt´s 2027. Wir bleiben dran!