„Baut Eure Comic-Krippe doch mal in unserer
alten Tabakscheune auf.“ Die Idee von Jessica Lindenberger und Stephan Heinz war
großartig. Fast sollte man meinen, die Scheune wäre nur dazu gebaut worden, um
einmal die überlebensgroßen Pappfiguren zu beherbergen. Die Untergliederung in
verschiedenen halboffen Räume erlaubte sogar die Anlage eines „Krippenweges“ über
mehrere Stationen:
Wer das Scheunentor unter dem großen Weihnachtsstern passierte,
fand sich direkt im alten Rom wieder, wo ein grimmiger Kaiser Augustus vor
einer leeren Schatztruhe zur Volkzählung rief. Dann ging es mit den Figuren der
Reisenden und in Begleitung der Magier aus dem Morgenland weiter in den
nächsten Raum, wo von großen Pflanzenkübeln umgeben die „Hirten auf dem Felde“
ihre Schafe hüteten. Gegenüber auf dem Holzpodest, wo sonst die Konzerte von „Jester´s
Garden“ stattfinden, freute sich die Wirtsfamilie über die proppenvolle
Herberge. Danach wurde es weihnachtlich: Von den schweren Balken, die früher
dem Trocknen der Tabakpflanzen dienten, hingen goldene und silberne Sterne
herab, die fröhlich blinkend zur Entdeckung des hintersten Raumes einluden. Hier
standen Josef und Maria mit dem Jesuskind im Arm vor einer Holzkrippe – gesäumt
von den herbeigeeilten Hirten. Und auch wenn in der biblischen Weihnachtserzählung
weder Stall noch Ochs und Esel vorkommen, in einer Krippenlandschaft durften
die natürlich nicht fehlen.
Mit Sprechblase und
Weihnachts-Smiley
Die meisten der Figuren waren in der Zeit des
Lockdowns für eine Ausstellung hinter der Glasfront des Gemeindesaals
entstanden. Doch das Ambiente der Scheue war so inspirierend, dass es keiner
großen Überredungskünste bedurfte, um das „Pinselschwingerteam“ mit Ute Schick
und Uschi Schiele für die Gestaltung von drei neuen Szenen zu gewinnen.
Die Geburtsszene wurde um die herbeigeeilten
Hirten nebst Schaf und einem funkelnden Sternenhimmel mit frei hängenden
Sternen ergänzt. In die Nähe der Magier aus dem Morgenland gesellte sich in
oberer Geschosshöhe ein grimmig aus dem Fenster in Richtung Bethlehem
starrender König Herodes. Und inmitten der weiten Landschaft bei den „Hirten
auf dem Felde“ erhielt der Verkündigungsengel seinen Platz, der den Comicstil
auf die Spitze trieb: Mit Victory-Zeichen und großer Sprechblase verkündigt er
allem Volk eine große Freude – wobei der Begriff „Freude“ durch ein Smiley
ersetzt war.
Darüber hinaus wurde die Szene mit Kaiser
Augustus um ein Ortsschild „Rom“ und ein aus der Höhe schwebendes goldenes
SPQR-Emblem nebst römischem Adler ergänzt. Und auch Bühnenbilder aus früheren
Weihnachtsmusicals kamen erstmals in Kombination mit den Comic-Figuren zum
Einsatz.
Große Resonanz bei Klein und Groß
Egal, wann er in die Scheune geschaut hätte,
immer wären fröhliche Besucher allen alters dagewesen, meinte Hausherr bzw.
Scheunenherr, Stephan Heinz, der an jedem Sonn- und Feiertag zur Advents- und Weihnachtszeit
bereitwillig seinen Hof für Besucher öffnete und für eine tolle Illumination
der Figuren sorgte. Bereits zur Eröffnung der Weihnachtsscheune im Rahmen des „Lebendigen
Advents“ waren rund 50 Personen gekommen, um sich in dem besonderen Ambiente
mit Liedern, Punsch und Glühwein auf die Adventszeit einzustimmen. Die Besucher
an den folgenden Wochenenden wurden zwar nicht gezählt – aber es waren sehr
viele. Auch mehrere Schulklassen und Kindergartengruppen nutzten die
Möglichkeit, sich außerhalb der offiziellen Öffnungszeiten für eine Begehung
anzumelden.
Und es gab ja nicht nur viel zu sehen: Wer
wollte, konnte sich an einem ausliegenden Weihnachtsquiz beteiligen. Die
Buchstaben der korrekten Antworten ergaben zusammengesetzt den Namen „Immanuel“,
was übersetzt „Gott mit uns“ bedeutet. Bereits im Alten Testament hatte der
Prophet Jesaja den Symbolnamen in einer Verheißung auf den Messias übertragen.
Der Verfasser des Matthäusevangeliums wiederum, der die Verheißung aus der
griechischen Übersetzung der hebräischen Bibel kannte, bezog sie auf Jesus:
Nach seiner Darstellung ist Josef im Traum ein Engel erschienen, der ihn
mahnte, bei seiner schwangeren Verlobten zu bleiben, da ihr Kind der verheißene
„Immanuel“ aus Jes 7,14 wäre.
Fast alle Kinder, Klassen und Kita-Gruppen, die
einen Quizbogen in die Sammelbox am Ausgang geworfen hatten, haben das
Lösungswort gefunden. Urkunden für alle, die sich beteiligt haben, können ab
Januar im Kindergottesdienst abgeholt werden. Danke, für die tolle Beteiligung!
Mit Don Camillo und Peppone beim
Weihnachtsliedersingen
Den Abschluss der Ausstellung bildete ein
Weihnachtsliedersingen am 2. Weihnachtsfeiertag um 17.30 Uhr. Noch einmal waren
viele Besucher gekommen, die kraftvoll in die von Stephan Heinz am Keyboard
begleiteten Stücke einstimmten und sich an dem humorvollen Anspiel erfreuten, das
Ute und Sebastian Schick zusammen mit Pfr. Rafflewski auf die Bühne brachten. Dargestellt
wurde eine Szene aus dem Buch Don Camillo und Peppone von Giovannino Guareschi, in der Don Camillo (D. Rafflewski) den wütend daher stapfenden
Peppone (S. Schick) zum Bemalen der Jesusfigur aus seiner Krippe nötigt und
damit bei dem kommunistischen Bürgermeister völlig unerwartete weihnachtliche
Gefühle weckt.
Zum gemütlichen Ausklang gab´s dann auf
Einladung des Hauses noch einmal Glühwein und Punsch, bevor die Tore der Weihnachtsscheune
in diesem Jahr das letzte Mal geschlossen wurden.
Und wie geht´s weiter?
Die Scheune bot ein hervorragendes und
einmaliges Ambiente für die XXL-Comic-Krippe. Nur leider fühlten sich die
Krippenfiguren in den zugigen Räumlichkeiten nicht sehr wohl. Bedingt durch Feuchtigkeit
hatten sich einige Pappen zu wellen begonnen. Ein Baum war sogar von der
Halterung gesprungen. Dass die Figuren für jede Aufstellung an Holzständer
getackert und danach wieder gelöst werden mussten, hat über die Jahre ebenfalls
zur Schädigung beigetragen. Es ist eben nichts für die Ewigkeit – schon gar
keine Pappfiguren. Von daher müssen wir sehen, wo und wie oft wir sie in
Zukunft noch präsentieren können.
Immerhin: Für die Nachwelt ist die Comic-Krippe
im jüngst erschienen Krippenführer des Rhein-Neckar-Kreises „Die wunderbare
Welt der Weihnachtskrippen“ auf vier vollfarbigen Hochglanzseiten dokumentiert
worden. Das ist eine wunderbare Erinnerung – unabhängig davon wie es mit Krippe
weitergeht. Und das Buch gibt´s nicht nur an Weihnachten, sondern ganzjährig im
Handel (ISBN 978-3-932102-48-6, Preis 32 Euro)