Donnerstag, 11. Juli 2024

Zum 20jährigen Jubiläum: Die Zeit vor KiKi

 Als ich gebeten wurde, über die Zeit vor der Kinderkirche etwas für das Scharnier zu schreiben, war meine Erinnerung sehr schwach, immerhin ist es nun fast 24 Jahre her. Meine Kiki-Unterlagen hatte ich vor ca. einem Jahr beim Aufräumen entsorgt und auf dem Computer war nicht wirklich viel gespeichert. Aber ich hatte einen Trumpf, meine Freundin Corinna Schlapkohl, Lehrvikarin in Heddesheim von 1999 – 2001, heute Pfarrerin in Scharbeutz and der Ostsee. Ein langes Telefonat am Abend, gemeinsames Suchen nach Fotos und Schwelgen in Erinnerungen hatten auch meinem Gedächtnis wieder auf die Sprünge geholfen.

2000 gab es ein kleines Team von Müttern, die den Kindergottesdienst in der evangelischen Kirche wiederbeleben wollten. Initiatorin war Corinna Schlapkohl, die mit ihrer Familie mit zwei kleinen Kindern 1999 nach Heddesheim ins Neubaugebiet gezogen war und meine Nachbarin wurde. Über ihre eigenen Kinder und den Kindergarten hatte sie Kontakt zu vielen jungen Familien, und der Wunsch nach einem Angebot für Familien mit kleinen Kindern wurde an sie herangetragen. Beliebter Treffpunkt war der Spielplatz in den Gänsgräben und so entstand die Idee für ihr Schwerpunktprojekt als Lehrvikarin: der Spielplatzgottesdienst. Und für mich war es der Startschuss, mich von der Kindergottesdienstarbeit in meiner Weinheimer Heimatgemeinde Lukas zu verabschieden und Fuß in der Heddesheimer Kirchengemeinde zu fassen.

 

Der Startschuss – Spielplatzgottesdienst in den Gänsgräben

Die erste Idee zum Spielplatzgottesdienst wurde im April 2000 geboren und von einem Team aus 15 Müttern aus dem Neubaugebiet Gänsgräben unter der Leitung von Corinna vorbereitet. In Untergruppen haben wir uns um Orga, Spiele, Basteln, Verköstigung, Werbung und Liturgie gekümmert. Am Samstag, 23. September 2000 war es dann soweit. Wir haben mit 30 Helfer*innen zunächst aufgebaut und mit Hilfe der örtlichen Landwirte das Spielodil (umgestalteter Bauwagen bestückt mit Outdoor-Spielen) und einen Toilettenwagen transportiert, um dann mit ca. 250 Besucher*innen gemeinsam zu feiern, zu singen und zu spielen. Der gesamte Nachmittag war als Gottesdienst geplant. Unser Thema war: „Suchen und Finden – das verlorene Schaf“ und der Gottesdiensttitel lautete „Gott hat alle Kinder lieb“. Konfirmierte Jugendliche spielten die Geschichte des Gleichnisses vom verlorenen Schaf. Zum Lied vom verlorenen Schäfchen haben die Kinder sich versteckt und die Eltern sie gesucht und mit großer Freude gefunden. Im Anschluss gab es einen Kuchen- und Getränkeverkauf, Sing- und Fingerspiele, eine Buttonmaschine, Kinderschminken, die Spiele aus dem Spielodil und es wurden Schäfchen gebastelt. Zum Abschluss wurden alle mit Gebet und Segen verabschiedet. Nach dem erfolgreichen Start des Spielplatzgottesdienstes war allen klar, dass es weiter geht. Es folgten jährliche Spielplatzgottesdienste, die alle sehr gut angenommen wurden.

 

Gottesdienst mit Kindern und Eltern

Aus dem Vorbereitungsteam des Spielplatzgottesdienstes haben sich 6 Mütter gefunden, die in den monatlichen Gottesdienst mit Eltern und Kindern eingestiegen sind. Die Gottesdienste fanden nach dem Hauptgottesdienst der Erwachsenen statt. Am 29. Oktober 2000 starteten wir mit 60 Eltern und Kindern und im Dezember waren wir sogar 100 Personen. Ein toller Erfolg!

Nach ihrem Lehrvikariat hat es Corinna Schlapkohl im September 2001 wieder in den Norden gezogen, aber ihr Projekt hat Spuren hinterlassen. Der Gottesdienst mit Eltern und Kindern wurde mit den Pfarrern Abraham und Dr. Fischer weitergeführt. Es wurde gemeinsam vorbereitet und thematisch beworben mit unserer rennenden Kirchenmaus. Es gab eine feste Liturgie, die auch die Kinder mit einbezogen hat. Zu Beginn wurde gemeinsam mit den Kindern der Altar eingedeckt und die Schulkinder durften auch beim Gebet oder Psalm mitlesen. Unser Eingangslied: „Wir sind eingeladen zum Leben“ konnten auch die Kleinsten bald mitsingen. Es gab eine Geschichte und passende Nachbereitung dazu. Es war ein Gottesdienst für die ganze Familie.

 

Happy Birthday Kiki

Mit unserem neuen Pfarrer Dierk Rafflewski kamen neue mutige Ideen, und wir starteten 2004 mit der wöchentlichen Kinderkirche – ein großer Schritt aber mit einem inzwischen weiter gewachsenen motivierten Team sehr gut machbar.

Es war sehr schön so viele Jahre ein Teil von „Kiki“ gewesen zu sein und ich habe viele schöne Erinnerungen an Gottesdienste, Kirchenübernachtungen, Bibelwochenenden, Ausflüge und Grillfeste. Nach 20 Jahren Kindergottesdienstarbeit in Heddesheim habe ich im Jahr 2020 Abschied genommen, um mich meiner anderen Herzensangelegenheit verstärkt zu widmen, der Flüchtlingsarbeit. Zum Teil auch davor schon verbunden beim Eislaufen der Kiki-Kinder mit Flüchtlingskindern und der Mitgestaltung von Kiki-Kindern bei der Asylstuhl-Aktion der Diakonie

Ich wünsche „Kiki“ und allen aktiven Mitarbeiter*innen für die Zukunft weiterhin gute Ideen und viele große und kleine interessierte Besucher*innen.


Herzliche Grüße Melanie Brunner-Straub



Hawaii im Sternenzelt

Am 21. Juni 2024 war es so weit, die evangelische Kita „Sternenzelt“ feierte ihr Sommerfest. Schon Wochen zuvor entschieden sich die 125 Kinder der Kita für das Thema „Hawaii“. Und dann ging es auch schon los mit den Vorbereitungen. Es wurde fleißig gebastelt und dekoriert in den 5 Gruppen. Die Kinder und Erzieherinnen gestalteten ihre eigenen Ananas T-Shirts, eine große selbst gebastelte Palme zierte den Eingangsbereich und es wurde mit Begeisterung für die große Aufführung geprobt. Endlich war der Tag da, alle Erwachsenen bekamen zur Begrüßung mit einem freundlichen „Aloha“ eine Blumenkette umgehängt. Voller Aufregung und Vorfreude stellten sich alle Kita Kinder samt ihren Erzieherinnen in ihren großartigen Ananas T-Shirts zum Einlaufen in den Garten auf, wo die Eltern, Großeltern, Freunde und Bekannten schon gespannt warteten. Zu modernen Trommelklängen und klatschenden Gästen liefen die Kinder ein und stellten sich auf. Sie präsentierten zuerst ihren einstudierten Tanz zu Hawaiianischer Musik, im Anschluss daran sangen alle das Lied „Kinder heut’ ist Sommerfest“, dass extra zu dem Thema Hawaii umgedichtet wurde. Alle anwesenden waren begeistert und klatschten für die kleinen Tänzer und Sänger tosenden Beifall.  Nachdem die Kita Leitung, Frau Dimitriou-Trianti, ein paar Worte zur Begrüßung sprach, konnte das Fest so richtig los gehen. Es gab viele Aktionen für Groß und Klein. Im Angebot war das Barrakuda Angeln, Paradise Make-up und Glitzer Tattoos. Es gab einen Hula- und Limbo Contest, es konnten Blumenketten und Schildkröten gebastelt werden und es gab eine Splash-Zone. Außerdem brachten die Eltern der Kita Kinder Fingerfood mit und es konnte eine große und vielfältige Snackbar aufgebaut und geplündert werden. Ein besonderes Highlight war die Tiki-Bar, eine Cocktail Bar nur für die Kinder. Dort gab es Cocktails zur Auswahl, wie den „Ida Colada“, den „Henry on the Beach“ oder den „Theo Sunrise“. Ein weiteres, besonderes Highlight war eine Überraschung, von der weder die Kinder noch die Eltern wussten. Ein richtiger DJ „DJ DeeRock“ machte mit seiner Anlage und Musik mächtig Stimmung und Tanzlaune. Hits wie „Macarena“ sorgten für eine volle Tanzfläche, groß und klein waren begeistert. 

Das Wetter spielte fast bis zum Schluss mit, kurz vor Ende des Festes zog ein heftiges Gewitter auf. Alle packten schnell mit an und so war im Handumdrehen alles abgebaut und aufgeräumt, noch bevor das Gewitter los ging. Die Kita „Sternenzelt“ bedankt sich herzlich bei allen Helfern und Mitwirkenden. Das diesjährige Sommerfestest war rundum ein voller Erfolg und sorgte bei allen Beteiligten für Spaß und gute Laune. (Rückel)


                                                                             

Dienstag, 6. Februar 2024

Stur wie Sturgis: Ein gelungener Abschluss


Die Kirche war proppenvoll, die Vorfreude greifbar. Ein letztes Mal kontrollierten die Techniker Sebastian Schick (Licht) und Dirk Kollmar (Ton) die Anschlüsse. Alles sollte perfekt sein. Im Gemeindehaus wurden derweil die Waisenkinder eingekleidet, während die Bettler in schweren Mänteln noch einmal ihren Auftritt besprachen und die quirlige Schar der kleinen Teufelchen in nervöser Erwartung des großen Auftritts einmal mehr über Tische und Stühle ging. Kurz vor dem Einzug in die Kirche ergriff Teamerin Jumana das Wort, bestieg einen Stuhl und hielt eine flammende Motivationsrede – wie ein Fußballtrainer vor Anpfiff des WM-Finales. Dann ging´s unter dem Applaus der Besucher in der Kirche auf die Startpositionen. 


„Stur wie Sturgis“ hieß das Stück, mit dem nach 20 Jahren die Ära der Heddesheimer Weihnachtsmusicals enden sollte. Geschrieben hatten es Jessica Lindenberger (Musik), Henning Scharf (Musik) und Dierk Rafflewski (Text) auf Grundlage einer „wahren Geschichte“, die sich um die Entstehung des Adventsklassikers „Macht hoch die Tür“ dreht. Im Mittelpunkt stand der von Viertklässlerin Katharina mit beeindruckender Spielfreude gemimte reiche Fischhändler Volker Sturgis, der den erbärmlichen Anblick der Waisenkinder nicht mehr ertragen konnte, die regelmäßig dem Fluss entlang vom Waisenhaus über sein Grundstück zur benachbarten Kirche zogen. Mit einer hohen Mauer (historisch war´s ein Zaun) verbaute er ihnen den Weg und setzte sich zynisch über alle Bürgerproteste hinweg („Ihr seid das Volk. Aber ich bin Volker!“). Erst als Waisenkinder und Bürger der Stadt am 4. Advent 1623 zusammen mit Pfarrer Georg Weissel vor das Anwesen zogen und in den von Weissel frisch geschriebenen Choral „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ einstimmten, geschah das Wunder: Sturgis öffnete Herz und Grundstück – und im Musical sogar die Türen seiner Villa zur großen Weihnachtsparty mit Stockfisch, Pizza und Rap-Musik.


Was bei den beiden Aufführungen am 23. und 24. Dezember besonders beeindruckte war die hohe Präsenz der Kinder und Jugendlichen – zumal das rund 60 Minuten lange Stück allen Darstellern viel abverlangte: Neben den anspruchsvollen Texten und Liedern mussten die Bewegungsabläufe sitzen, Sprech-Reihenfolgen und Positionen eingehalten werden und – ganz wichtig: auch wenn´s nichts zu sprechen oder zu singen gab, musste die Konzentration
hochgehalten werden. Ein richtiger Schauspieler spielt ja nicht nur, wenn er etwas zu sagen hat, sondern solange er auf der Bühne zu sehen ist. Und da sind einige der Kinder geradezu über sich hinausgewachsen. Nicht nur das Mimenspiel der Teufelchen war ein Genuss, wenn sie den empörten Städtern das Vögelchen zeigten oder Schweibenwischer machten. Viele Kinder sind mir ihren Rollen geradezu verschmolzen.


Und damit der Schauwerte noch nicht genug. Das Musical war überaus reich an Effekten. Besonders eindrucksvoll war der Fall des großen schwarzen Vorhangs, hinter dem die hoch aufragende „Villa Sturgis“, das kleine Fachwerk-Waisenhaus und die große Stadtsilhouette von Königsberg (gemalt nach historischen Vorlagen) mit „Wow!“-Effekt zum Vorschein kamen. Darüber hinaus sorgten gut getimte Licht- und Raucheffekte für eine geradezu diabolische Atmosphäre bei den Auftritten von Sturgis und seiner Teufelbande. Sogar an eine Innenbeleuchtung der „Villa Sturgis“ hatte Techniktüftler Sebastian gedacht. Weitere Höhepunkte waren der Mauerbau mit unzähligen Kartons quer durch den Altarraum – und natürlich deren donnernder Einriss, nachdem die Waisenkinder im Chor mit der Gemeinde die harte Schale von Sturgis im Finale geknackt hatten.


Lange dauerte am Ende der Applaus, den Kinder und Team sichtlich genossen, bevor mit dem Klassiker „Ruft es laut vom Kirchenturm“ noch eine allerletzte Zugabe folgte.

Schade, dass das alles jetzt vorbei ist! Aber auch wunderbar, wie super zum Abschluss alles geklappt hat – inklusive Technik – und wie groß die Begeisterung war. Denn dass trotz grassierender Grippewelle alle 64 Beteiligten auf, vor und hinter der Bühne im Einsatz waren, lag bestimmt nicht daran, dass alle gesund waren, sondern daran, dass niemand krank sein wollte.


Wer das Musical verpasst hat oder noch einmal in Erinnerung rufen will, findet auf dem Youtube-Kanal unserer Kirchengemeinde (unten weiter unten im KiKiBlog) zwei Clips. Und wer mal einen Blick hinter die Kulissen werfen will, sollte in der kommenden Adventszeit unbedingt einen Blick ins Fernsehprogramm werfen. Ein Filmteam vom Evangelischen Rundfunktdienst Baden hat die Generalprobe und erste Aufführung begleitet und einige Interviews mit Team und Kindern geführt. In der Vorweihnachtszeit soll der Sendebeitrag über privater TV-Anbieter ausgestrahlt werden und in der ERB-Mediathek abrufbar sein. Wir sind gespannt!