Donnerstag, 20. November 2025



Ratzeputz

Über eineinhalb Jahre hat es gedauert, Story und Texte zu schreiben, die Lieder zu komponieren, die Bühnendekoration zu entwerfen und zu malen, neue Kostüme zu schneidern und das Ganze mit einer begeisterungsfähigen Schar von 40 Kindern und Jugendlichen einzuüben. Bei diesem Aufwand fragen manche: Und das alles nur für zwei Aufführungen? – Ja und Nein. Der Weg ist zwar nicht das Ziel, aber bereits die Arbeit an einem großen Projekt begeistert, stiftet Gemeinschaft, setzt kreative Ideen frei und lässt die Spannung steigen. Und wer etwas Besonderes schaffen will, muss Klotzen und darf nicht Kleckern. Und dass „Ratzeputz“ etwas Besonderes war, wird niemand bestreiten, der die Aufführung gesehen und die begeisterte Atmosphäre gespürt hat.


Düster und geheimnisvoll erfüllten bereits am Anfang gitarrengeschwängerte sphärische Klänge die dunkle Kirche, während die Bel-Priester in ihren schwarzen Kutten mit spitzen Kapuzen gemessenen Schrittes durch den Mittelgang auf die Bühne zogen. Dort angekommen, ging es gleich richtig ab. Mit einem Mal schwenkte die Musik, die Priester rissen ihre Kapuzen vom Kopf und die schweren Bühnenvorhänge gaben den Blick auf den in Trockennebel gehüllten Bel preis. Über 4 Meter hoch war das mit großem Aufwand gestaltete Götzenbild, das sich furchteinflößend über dem steinernen Altar erhob und immer wieder dicke Rauschwaden aus seinem Maul ausstieß. Ein echter Hingucker!

Doch die eigentlichen Stars waren die Kinder. Ihre schauspielerischen und gesanglichen Leistungen waren grandios. Beeindruckend mit wieviel Lust sie dabei waren – ob bei der humorvollen Gabenbereitung, bei der Bel mit überdimensionalen Opfergaben versorgt wurde (darunter: „Gummi-Bels von Haribo“, „Bel-Secco“ und „Pommes von Mc Bel“), der von Daniels Freunden verursachten „Mehlschlacht“, der Entdeckung des begehbaren Geheimgangs, der durch die Götzenfigur hindurch direkt in den Partykeller der Priester führte, oder dem Stottergesang der vollgefressenen Priesterschar, die mit tausend Ausflüchten ihre Haut zu retten versuchten. Auch die Slapstick-Einlage der drei Tempelwachen, die jegliche Haltung verloren, als aus dem Hintergrund die fetten Techno-Beats der nächtlichen Priesterorgie erklangen, machten richtig Laune.

Und so bunt und vielfältig wie Schauspiel und Requisite war die Musik: Dachte man bei dem Vorspiel von Stephan Heinz unwillkürlich an Pink Floyd, weckte das humorvolle Loblied der Priester auf die Verdauungsleistungen von Bel, das Jessica Lindenberger komponiert hatte, Assoziationen zu Helene Fischer, während der Protestgesang von Daniel und seinen Freunden gegen die Götzenverehrung aus der Feder von Dr. Henning Scharf mit einer klassischen Dramaturgie und jazzigen Klängen punktete. Abgerundet wurde das musikalische Potpourri mit einem schwungvollen Klezmerstück nebst Violineneinsatz, das als spontane Zugabe auch die Besucherinnen und Besucher zum Klatschen und Mitsingen animierte: Hallelu elohim chajim! (Gelobt sei der lebendige Gott!)

Auch wenn alle Kinder eine namentliche Nennung verdient hätten, dürfen die großen gesanglichen und schauspielerischen Leistungen von Paul Marquet als Daniel und Louisa Peters als König Kyros an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, ebenso die eindrucksvolle Darstellung des Oberpriesters durch Leana Preuschoff.

Darüber hinaus gebührt ein großer Dank den zahlreichen Helferinnen und Helfern, die beim Bühnenauf- und abbau, in der Kostümschneiderei oder beim „100-Stunden-Bühnenbildmalen“ Hand angelegt haben – sowie natürlich dem Musical Team mit den „alten Hasen“ Ute Schick, Ursula Schiele, Bianca Würz, Mirjam Kuenzer, Sandra Gerschtenzweig und Christiane Benke, den Jung-Teamern Kira Schiele, Jumana Würz, Melissa Würz, Niklas Wagner und Sophie Wagner, die immer noch mit vollem Einsatz auf der Bühne stehen, sowie den beiden unermüdlichen Technikern Dirk Kollmar (Ton) und Sebastian Schick (Licht & Effekte), die einmal mehr für das Musical Unmengen an Material aufgefahren haben. Herzlichen Dank auch an Klaus Wagner fürs Fotografieren sowie Robert Gerstner und Julius Peters fürs Filmen.

Und last but not least: Herzlichen Dank an die Musiker Jessica Lindenberger und Dr. Henning Scharf für ihre großartigen Kompositionen sowie Stephan Heinz für die musikalische Unterstützung und das sphärische Eingangsstück.

 P.S.: Auch wenn die Kinder nach der zweite Aufführung noch auf der Bühne lautstark eine weitere Musicalaufführung im nächsten Jahr einforderten (was uns sehr berührt hat), wird es dazu wohl nicht kommen. Das Team braucht eine Verschnaufpause – und das Schreiben von neuen Texten und Komponieren von neuen Lieder braucht seine Zeit. Aber vielleicht klappt´s 2027. Wir bleiben dran!

Mittwoch, 22. Oktober 2025

Schul-AG: Biblische Geschichten als Comic

Dass ich (Dierk Rafflewski) gerne zeichne und ein Faible für Comics habe, ist vermutlich kein Geheimnis. Und dass mir als Pfarrer im Schuldienst die Vermittlung biblischer Geschichten ein Anliegen ist, dürfte wenig überraschen. Von daher lag die Idee, als Pädagogische Angebot im Rahmen der Verlässlichen Grundschule nachmittags einen Kurs im Zeichnen biblischer Comics anzubieten, auf der Hand. Nur peinlich, dass sie mir von Konrektorin Jeanette Werle angetragen werden musste und ich nicht selbst darauf gekommen bin.

Denn wie es scheint, zieht die Idee auch bestens bei den Kindern: Seit Mitte Oktober unterrichte ich mittwochs in der siebten und achten Stunde zwei altersgemischte Gruppen mit 14 und 18 Kindern, die sich für dieses Angebot gemeldet haben. Und obwohl es nach einem vollen Schultag mit 6 Schulstunden und dem Mensa-Mittagessen schwer ist, noch einmal Geduld und Konzentration aufzubringen – andere pflegen hier den Mittagsschlaf –, sind die Kinder mit großer Freude dabei.

In einem ersten Schritt geht es in dem Pädagogischen Angebot darum, Prinzipien des Comic-Zeichnens kennen zu lernen und einzuüben: Wie kann ich mit wenigen Stichen Bewegungen und Gefühle darstellen? Wie kombiniere ich Rahmen, Zeichnung, Textfelder, Sprech- und Gedankenblasen? Wie finde ich meine eigene Comicsprache und entwickle reproduzierbare Figuren mit Wiedererkennungswert?

In weiteren Schritten widmen wir uns dann biblischen Geschichten und überlegen, wie sich diese in einfache humorvoller Comicsprache „übersetzen“ lassen. Ziel dabei ist natürlich nicht, die Geschichten ins Lächerliche zu ziehen, sondern transparent für menschliche Schwächen und Eigenheiten zu machen, so dass der Betrachter im Idealfall über sich selber schmunzelt. Mal sehen wie´s gelingt. Vielleicht findet sich das ein oder andere Comic aus Kinderhand ja demnächst im Scharnier wieder. Wie die Zeichnungen aus der ersten Stunde zeigen, gibt´s hier wohl einige Talente.

D.R.

Montag, 29. September 2025

Ratzeputz: Die Vorfreude steigt


Am Samstag, den 27. September, fand in der Kirche ein Probentag zum Musical "Ratzeputz" statt. Am Vormittag wurden erstmals alle Lieder mit Bewegungen und Dialogen geprobt. Das bedeutete drei Stunden volle Konzentration, die viel Geduld erforderten. Immer wieder mussten Szenen wiederholt und Abläufe korrigiert werden. Entsprechend groß war danach der Appetit: Kaum waren punkt 13.00 Uhr die fünf Partypizzen geliefert, hatte sich eine lange ungeduldige Schlange gebildet. Im Nu war alles ratzeputz verputzt. Auch die großen Kekspackungen und diversen Fruchtgummitüten sowie die nachgekauften Bretzel waren gleich vergriffen. Als hätte jemand Bel von der Leine gelassen.


Nach der Stärkung fand im Gemeindehaus die Kostümanprobe statt. Verteilt nach Gruppen bekamen alle Darstellenden ein Kostüm angepasst, das für die Aufführung mit Namen versehen wurde. Danach ging´s noch einmal in die Kirche, um zu sehen, wie es sich verkleidet singt und spielt. Und "Ja": Es fühlte sich gleich anders an. Und der Legende vom "Mittagsloch" zum Trotz lief die Probe sogar noch einmal besser als am Vormittag. 
Nach einer erneuten Pause stand abschließend um 15.15 Uhr die Tonprobe an. Dafür wurden die sechs Hauptdarsteller mit Headsets verkabelt. Einzelsprecher bekamen ein Funkmikrofon. Auch das gab noch einmal einen Motivationsschub. Der Klang füllte die Kirche - und erneut waren alle Kinder voll konzentriert bei der Sache. Wahnsinn, wenn man bedenkt, das sie am Ende um 16.00 Uhr sechs volle Probenstunden in den Knochen hatten!





Das einzige was die Kinder wurmte, war die Abwesenheit von Bel. Nur zu gern hätten sie gesehen, wie der "gefräßige Götze" denn nun aussieht. Doch mit Blick auf das anstehende Erntedankfest am kommenden Sonntag in der Kirche konnte dieser zum Probentag noch nicht aufgebaut werden. 
Schade, aber auch gut so: Das erhält die Spannung!

Freitag, 26. September 2025

Einweihung des neuen Schulhofs der Hans-Thoma-Grundschule

 Am Freitag, den 26. September 2026, wurde der neue toll gestaltete Schulhof der Hans-Thoma-Grundschule unter reger Beteiligung von Schülern, Eltern, Lehrkräften und interessierten Bürgern eingeweiht. Für die Kirchen vor Ort sprachen Pfr. Matthias Stößer (kath. Seelsorgeeinheit Heddesheim-Ladenburg) und Pfr. Dierk Rafflewski (Evang. Kirchengemeinde Heddesheim) ein Segensgebet.



Donnerstag, 4. September 2025

Ratzeputz: Neues aus der Kostümschneiderei

Nachdem die Bühnenbilder gemalt waren, ging´s am Donnerstagabend, 5. September, an die Kostüme: Zunächst galt es, vorhandene Kostüme zu sichten und auf ihre Ratzeputz-Tauglichkeit hin zu prüfen. Schnell war klar: Zur Ausstattung der Priester sowie für Daniel und seine Freunde reichte der Bestand. Für die Babylonier hingegen sah´s dürftig aus. Klar, die kamen bislang ja auch in keinem unserer Musicals vor. Hier galt es kreativ zu werden, die Stoffvorräte zu durchkämmen, passende Accessoires zu finden, alte Kostüme neu zu kombinieren und zu ergänzen, die Nähmaschinen anzuwerfen und die Heißklebepistole aus der Schublade zu holen. 

Ein besonderes Augenmerk lag auf der Verkleidung für König Kyros. Um ihn als Babylonier bewusst vom christlich-abendländischen Königsideal mit goldener Krone und rotem Umhang (die wir im Bestand gehabt hätten) abzugrenzen, wurde für ihn ein "Kopfturm" nebst Umhang im Leoparden-Style kreiert. Spannend.

Herzlichen Dank an alle Mütter, Kinder und Jugendliche, die an diesem Abend drei Stunden lang bis 22 Uhr fleißig beraten, sortiert, geschnitten, genäht, geklebt und gemalt haben. Super Einsatz!!!


Sichtung der Kostüme: Was passt für wen? Der Hofmeister rechts im Bild ist fündig geworden. Fehlen nur noch Kochmütze und Kochlöffel (sind geordert).


Die Nähmaschinen laufen auf Hochtour: Für die Babylonier mussten einige Schleppen, Umhänge etc. neu geschneidert werden.


Das nennt man All-Round-Talent: Vor der Bühne als Darstellerin aktiv, hinter der Bühne als Näherin in der Kostümschneiderei.


Paint it black: Musical-Kinder verwandeln den hellen Bischofstab, den vormals der Heilige Nikolaus im Luthermusical mit sich führte, in den schwarzen Herrschaftsstab von Bels Oberpriester.